Der effektive Jahreszins ist der Preis eines Kredits inklusive der verpflichtenden Nebenkosten, angegeben in Prozent pro Jahr. Der Sollzins enthält nur die Verzinsung. Am österreichischen Markt liegen zwischen beiden derzeit 0,35 Prozentpunkte - auf 300.000 Euro und 30 Jahre sind das 21.400 Euro.
Der Unterschied in einem Satz
Der Sollzins, auch Nominalzins genannt, beschreibt die reine Verzinsung des aushaftenden Kreditbetrags. Der effektive Jahreszins rechnet die verpflichtenden Kreditkosten mit ein und liegt deshalb darüber. Nur er macht zwei Angebote vergleichbar.
Was die Lücke kostet
Wie groß der Abstand tatsächlich ist, zeigt der Markt. Die OeNB weist für neue Wohnbaukredite im Juli 2026 einen durchschnittlich vereinbarten Zinssatz von 3,54 Prozent aus. Der durchschnittliche Effektivzinssatz lag im Juni bei 3,89 Prozent. Das sind 0,35 Prozentpunkte, die nicht aus dem Zins stammen, sondern aus Gebühren.
| 300.000 €, 30 Jahre | Monatsrate | Gesamt |
|---|---|---|
| zum Sollzins 3,54 % | 1.354 € | 487.400 € |
| zum Effektivzins 3,89 % | 1.413 € | 508.800 € |
| Unterschied | 59 € | 21.400 € |
Ein Angebot allein nach dem Sollzins zu beurteilen bedeutet also, einen fünfstelligen Betrag zu übersehen. Und der Abstand ist nicht bei jeder Bank gleich groß, genau darin liegt der Vergleichswert.
Was im Effektivzins steckt
Erfasst werden die Kosten, die zwingend mit dem Kredit verbunden sind. Dazu zählen typischerweise Bearbeitungsgebühr, Kontoführung für das Kreditkonto, Schätzgebühr und verpflichtende Versicherungen. Wie groß die Spanne bei diesen Posten ist, zeigt der Angebotsvergleich: Die Arbeiterkammer fand zwischen neun Banken bei gleichem Kredit fast 41.000 Euro Unterschied.
Vor Vertragsabschluss muss Ihnen die Bank ein standardisiertes Informationsblatt aushändigen, in dem diese Kosten im Effektivzins zusammengefasst sind. Verlangen Sie es von jedem Anbieter und legen Sie die Blätter nebeneinander.
Was trotzdem fehlt
Der Effektivzins ist die beste Einzelzahl, aber keine vollständige. Nicht enthalten sind in der Regel Kosten, die nicht zwingend anfallen oder nicht der Bank zufließen. Dazu gehören die Eintragung des Pfandrechts im Grundbuch mit 1,2 Prozent vom eingetragenen Höchstbetrag, siehe Hypothekarkredit, sowie mögliche Entschädigungen bei vorzeitiger Rückzahlung.
Auch die Vertragsbedingungen bildet er nicht ab. Ob Sie über die gesetzliche Grenze hinaus kostenfrei tilgen dürfen, was nach Ablauf der Fixzinsperiode gilt und welcher Referenzzins mit welcher Marge vereinbart ist, steht in keinem Prozentsatz.
So vergleichen Sie richtig
| Schritt | Worauf achten |
|---|---|
| 1. Eckdaten angleichen | gleicher Betrag, gleiche Laufzeit, gleiche Fixzinsdauer |
| 2. Effektivzins vergleichen | aus dem standardisierten Informationsblatt |
| 3. Gesamtrückzahlung prüfen | eine längere Laufzeit senkt die Rate und erhöht die Kosten |
| 4. Vertragsdetails lesen | Sondertilgung, Anschlusskondition, Marge |
| 5. Nebenkosten dazurechnen | Grundbuch, Vertrag, Bewertung |
Häufige Fragen
Quellen und Aktualisierung
Zuletzt fachlich aktualisiert am 9. September 2026. Zinssätze laut OeNB, Gebührenbandbreiten laut Arbeiterkammer.