Spezialfinanzierung · ohne Eigenkapital / Vollfinanzierung

Wohnkredit ohne Eigenkapital: was wirklich möglich ist

Möglich ist eine Vollfinanzierung durchaus. Ohne eigenes Geld geht sie trotzdem nicht: Bei 400.000 Euro Kaufpreis fallen mindestens 28.800 Euro Nebenkosten an.

Fokusohne Eigenkapital / Vollfinanzierung
StandAugust 2026
Planungszielrobuste Finanzierung

Richt-, Markt- und Förderwerte sind keine individuelle Zusage.

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Geht ein Wohnkredit ohne Eigenkapital?

Seit dem Ende der KIM-Verordnung gibt es keine starre gesetzliche Eigenkapitalquote mehr, die jeden Kredit gleich begrenzt. Die FMA nennt eine Beleihungsquote von höchstens 90 Prozent weiterhin als Richtwert für solide Vergabe, und Banken können innerhalb ihres Vergabestandards begründet abweichen. Grundsätzlich ausgeschlossen ist eine sehr hohe Finanzierung also nicht.

Der entscheidende Punkt liegt woanders: „ohne Eigenkapital“ heißt nicht „ohne eigenes Geld“. Kaufnebenkosten, Gebühren und eine Liquiditätsreserve fallen unabhängig davon an, wie viel die Bank finanziert. Wer damit rechnet, ganz ohne Erspartes zu kaufen, unterschätzt den Kapitalbedarf um einen fünfstelligen Betrag.

Wie viel eigenes Geld Sie trotzdem brauchen

Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro sieht die Rechnung so aus. Die Prozentsätze sind gesetzlich festgelegt, die Bandbreite entsteht bei Vertragserrichtung und Makler.

PositionBemessungBetrag
Grunderwerbsteuer3,5 % vom Kaufpreis14.000 €
Eigentumseintragung1,1 % vom Wert des Rechts4.400 €
Pfandrechtseintragung1,2 % vom Höchstbetrag (hier 520.000 €)6.240 €
zwei Grundbuchsgesucheje 85 € Eingabengebühr170 €
Vertragserrichtungrund 1 bis 3 % des Kaufpreises4.000 bis 12.000 €
Maklerprovision, falls anfälltmax. 3 % zuzüglich 20 % USt14.400 €
Summe ohne Maklerab rund 28.800 €
Summe mit Maklerbis rund 51.200 €

Zwischen 29.000 und 51.000 Euro also, bevor überhaupt ein Euro Kaufpreis bezahlt ist - und ohne jede Reserve für Umzug, Küche und die erste unerwartete Rechnung. Die einzelnen Positionen stehen ausführlich unter Kaufnebenkosten.

100 und 110 Prozent unterscheiden

Bei einer 100-Prozent-Finanzierung entspricht der Kredit ungefähr dem Kaufpreis, die Nebenkosten zahlen Sie aus Eigenmitteln. Von 110 Prozent spricht man, wenn auch wesentliche Nebenkosten mitfinanziert werden. Der Kredit liegt dann über dem Wert der Immobilie - und genau das ist für die Bank der kritische Punkt, weil die Sicherheit den Kredit nicht mehr deckt.

Was die Vollfinanzierung monatlich kostet

Zum Vergleich derselbe Kauf mit unterschiedlichem Eigenkapitaleinsatz, gerechnet mit 3,54 Prozent auf 30 Jahre.

VarianteKreditbetragMonatsrate
80 % finanziert, 20 % Eigenmittel320.000 €1.444 €
100 %, Nebenkosten aus Eigenmitteln400.000 €1.805 €
110 %, Nebenkosten mitfinanziert428.800 €1.935 €

Zwischen der klassischen und der vollen Variante liegen 491 Euro im Monat. Dieser Betrag ist der eigentliche Preis des fehlenden Eigenkapitals - und er läuft 30 Jahre lang. Dazu kommt, dass eine hohe Beleihung die Verhandlungsposition beim Zinssatz verschlechtert, weil das Risiko der Bank steigt.

Wann die Bank mitgeht

Es gibt keinen Einkommenswert, ab dem eine Vollfinanzierung automatisch funktioniert. Entscheidend ist das Zusammenspiel:

  • stabiles und überdurchschnittliches Haushaltseinkommen
  • geringe bestehende Verpflichtungen - jede Altrate von 100 Euro kostet rund 22.000 Euro Kreditrahmen
  • sehr gute Bonität und saubere Kontoführung
  • marktgängige Immobilie mit nachvollziehbarem Wert
  • zusätzliche Sicherheiten oder Vermögenswerte
  • ausreichender monatlicher Puffer trotz hoher Rate

Ein Haushalt mit 6.000 Euro stabilem Netto, kaum sonstiger Verschuldung und zusätzlichem Vermögen wird anders beurteilt als einer mit derselben Wunschimmobilie und knapper Monatsrechnung. Wie die Bank das prüft, steht unter Bonitätsprüfung und Haushaltsrechnung.

Die wichtigsten Risiken

Eine hohe Beleihung lässt wenig Spielraum, wenn die Preise fallen oder das Objekt kurzfristig verkauft werden muss. Bei einer gerichtlichen Verwertung liegt das geringste Gebot beim halben Schätzwert - ein Kredit über dem Objektwert ist daraus nicht zu bedienen, und die Restschuld bleibt bestehen.

Der zweite Punkt ist der Puffer. Eine Vollfinanzierung sollte nicht dazu dienen, fehlende Rücklagen zu kaschieren. Wer nach dem Kauf ohne Reserve dasteht, finanziert die erste größere Reparatur über den Kontorahmen - zu deutlich schlechteren Konditionen als den Wohnkredit.

Fünf Fragen vor einer Vollfinanzierung

Wie hoch sind die Nebenkosten in Euro? Welche Reserve bleibt nach dem Kauf? Wie bewertet die Bank die Immobilie, und wie hoch ist dadurch die Beleihung? Wie verändert sich die Rate bei zwei Prozentpunkten mehr Zins? Welche Option bleibt, wenn früher als geplant verkauft werden muss?

Häufige Fragen

Grundsätzlich ist eine sehr hohe Finanzierung nicht ausgeschlossen. Die FMA nennt 90 Prozent Beleihung als Richtwert, Banken können begründet abweichen. „Ohne Eigenkapital“ heißt aber nicht „ohne eigenes Geld“: Nebenkosten und Gebühren fallen unabhängig davon an.
Bei 400.000 Euro Kaufpreis rund 28.800 Euro ohne Makler und bis zu 51.200 Euro mit Makler. Darin stecken 14.000 Euro Grunderwerbsteuer, 4.400 Euro Eigentumseintragung, 6.240 Euro Pfandrechtseintragung, zwei Eingabengebühren zu je 85 Euro sowie Vertragserrichtung und gegebenenfalls Provision.
Bei 100 Prozent entspricht der Kredit ungefähr dem Kaufpreis, die Nebenkosten zahlen Sie selbst. Bei 110 Prozent werden auch wesentliche Nebenkosten mitfinanziert. Der Kredit liegt dann über dem Objektwert, womit die Sicherheit ihn nicht mehr deckt.
Bei 400.000 Euro Kaufpreis, 3,54 Prozent und 30 Jahren: 1.444 Euro bei 80 Prozent Finanzierung, 1.805 Euro bei 100 Prozent und 1.935 Euro bei 110 Prozent. Zwischen der klassischen und der vollen Variante liegen 491 Euro im Monat, dreißig Jahre lang.
Der fehlende Puffer. Fallen die Preise oder muss kurzfristig verkauft werden, deckt der Erlös den Kredit womöglich nicht - bei einer gerichtlichen Verwertung liegt das geringste Gebot beim halben Schätzwert, und eine Restschuld bleibt bestehen.

Quellen und Aktualisierung

Zuletzt fachlich aktualisiert am 9. September 2026. Bei zeitabhängigen Angaben gilt im Zweifel der aktuelle Stand der verlinkten Primärquelle.

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