Wie viele Frankenkredite noch laufen
Die Oesterreichische Nationalbank weist für Ende Juni 2026 Fremdwährungskredite an private Haushalte von 4.922 Millionen Euro aus. 4.881 Millionen davon lauten auf Schweizer Franken, 32 Millionen auf japanische Yen. Ende 2024 waren es noch 6.133 Millionen Euro, der Bestand ist also in eineinhalb Jahren um ein Fünftel geschrumpft.
Was übrig bleibt, ist der schwierige Rest. 4.104 Millionen Euro, 83 Prozent, sind endfällige Kredite, bei denen während der Laufzeit nur Zinsen gezahlt werden. 3.772 Millionen Euro, 77 Prozent, hängen an einem Tilgungsträger, also an einer Lebensversicherung oder einem Fondsdepot, das am Ende die Schuld begleichen soll.
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ordnet die Größenordnung ein, berichtet hat darüber der ORF am 10. Juni 2026: Im ersten Quartal 2026 machten Fremdwährungskredite nur noch 2,8 Prozent aller Kredite an Haushalte aus, auf dem Höhepunkt 2006 waren es 32 Prozent. Seit dem Neuvergabestopp im Herbst 2008 ist das Volumen wechselkursbereinigt um 44,4 Milliarden Euro oder 92 Prozent gesunken. Fällig wird der Großteil der verbliebenen Kredite laut FMA-Schätzung zwischen 2029 und 2033.

Was der Franken seit 2007 gekostet hat
Im Oktober 2007 kostete ein Euro im Monatsdurchschnitt 1,6706 Franken, der höchste Monatswert seit 2004. Bis 14. Jänner 2015 verteidigte die Schweizerische Nationalbank einen Mindestkurs, der Euro stand an diesem Tag bei 1,2010 Franken. Am 15. Jänner hob sie ihn auf, und der Referenzkurs fiel binnen eines Tages auf 1,0280. Am 23. Oktober 2026 lag der EZB-Referenzkurs bei 0,9227.
| Zeitpunkt | Franken je Euro | Euro-Wert von 250.593 Franken Schuld |
|---|---|---|
| Oktober 2007, Monatsdurchschnitt | 1,6706 | 150.000 € |
| 14. Jänner 2015 | 1,2010 | 208.654 € |
| 15. Jänner 2015 | 1,0280 | 243.768 € |
| März 2026, Monatsdurchschnitt | 0,9094 | 275.559 € |
| 23. Oktober 2026 | 0,9227 | 271.587 € |
Die 250.593 Franken entsprechen einem Kredit über 150.000 Euro, aufgenommen im Oktober 2007. In Euro gerechnet ist die Schuld seither um 81 Prozent gewachsen, ohne dass ein Franken dazugekommen ist. Umgelegt auf 19 Jahre hat der Franken gegenüber dem Euro im Schnitt 3,2 Prozent pro Jahr zugelegt.
Dem steht der Zinsvorteil gegenüber, der den Kredit einst attraktiv gemacht hat. Der Schweizer Referenzzins SARON lag Mitte Oktober 2026 bei minus 0,05 Prozent, der Leitzins der SNB bei 0 Prozent. Der 3-Monats-EURIBOR betrug im September 2026 durchschnittlich 2,64 Prozent. Auf eine Schuld im Gegenwert von 271.587 Euro bringt dieser Abstand von rund 2,7 Prozentpunkten etwa 7.300 Euro weniger Zinsen im Jahr. Genau so viel kostet aber ein Anstieg des Frankens um 2,7 Prozent, und seit 2007 lag der jährliche Anstieg im Schnitt darüber.
Rechenbeispiel: endfällig mit Tilgungsträger
Der Kredit aus der Tabelle ist endfällig und läuft 25 Jahre, bis Oktober 2032. Ein fondsgebundener Tilgungsträger sollte bis dahin die ursprünglich 150.000 Euro ansparen. Angenommen, er steht heute bei 90.000 Euro und wächst bis 2032 um 3 Prozent pro Jahr: Dann sind es bei Fälligkeit 107.465 Euro. Wie groß die Lücke wird, entscheidet der Kurs am Fälligkeitstag.
| Franken je Euro im Oktober 2032 | Schuld in Euro | Tilgungsträger | Lücke |
|---|---|---|---|
| 1,00 (Franken schwächer) | 250.593 € | 107.465 € | 143.129 € |
| 0,9227 (unverändert) | 271.587 € | 107.465 € | 164.122 € |
| 0,85 (Franken stärker) | 294.816 € | 107.465 € | 187.351 € |
Selbst im günstigen Szenario fehlen mehr als 140.000 Euro, weil der Tilgungsträger schon im Euro-Plan zurückliegt und der Kurs die Schuld zusätzlich aufbläht. Diese Lücke ist bei Fälligkeit auf einen Schlag zu zahlen. Die Bank muss bei Tilgungsträgerkrediten vor Abschluss ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Zahlungen auch dann fällig werden, wenn der Tilgungsträger nicht reicht.
Was die FMA von den Banken verlangt
Seit Herbst 2008 sollen Banken in Österreich Verbrauchern keine Fremdwährungskredite mehr geben. Die Mindeststandards der FMA zu Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten, zuletzt 2023 neu gefasst, halten fest, dass solche Kredite für Verbraucher grundsätzlich ungeeignet und kein Standardprodukt zur Wohnraumbeschaffung sind. Neu vergeben werden dürfen sie nur an eng umrissene Gruppen, etwa an Personen mit Einkommen in der Kreditwährung, und nicht in Kombination mit einem kapitalaufbauenden Tilgungsträger.
Für bestehende Kredite gibt es zwei Pflichten, die Sie kennen sollten:
- Jährlicher Brief ab sieben Jahren Restlaufzeit: Die Bank informiert über Stand von Kredit und Tilgungsträger, zeigt die erwartete Deckungslücke in mindestens zwei Szenarien und lädt zum Gespräch ein. Wer bis 2033 fällig wird, bekommt diesen Brief bereits.
- Aktive Unterstützung: Wer sein Risiko verringern will, muss Alternativen angeboten bekommen, insbesondere in Euro, etwa die Umstellung des endfälligen Kredits auf tilgend oder eine Teilendfälligkeit, bei der der Tilgungsträger nicht vorzeitig aufgelöst werden muss.
Eine Vertragsänderung braucht dabei immer die Zustimmung beider Seiten. Einseitig konvertieren darf die Bank nur, wenn der Vertrag das wirksam vorsieht.
Umstieg in Euro: Recht, Varianten, Kosten
Ein gesetzliches Recht auf Umstellung gibt es nur für Kredite, die nach dem 20. März 2016 abgeschlossen wurden. Für sie gilt § 24 des Hypothekar- und Immobilienkreditgesetzes (HIKrG): Umstellung jeweils zum Quartalsende mit 14 Tagen Frist, zum Marktwechselkurs am Tag des Antrags oder einem vertraglich festgelegten Tag höchstens 14 Tage danach. Weichen Restschuld oder Raten wegen des Kurses um mehr als 20 Prozent vom Stand beim Abschluss ab, muss die Bank warnen. Die alten Frankenkredite aus der Zeit vor 2008 erfasst das nicht (§ 31 HIKrG), dort zählt, was im Vertrag steht.
Für das Rechenbeispiel heißt Umstieg: Die 250.593 Franken werden zum aktuellen Kurs zu 271.587 Euro Schuld. Danach gibt es zwei typische Wege, gerechnet mit 3,67 Prozent, dem OeNB-Durchschnitt für neue Wohnkredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung im August 2026.
| Variante | Aufteilung | Monatliche Belastung |
|---|---|---|
| Teilendfälligkeit, 15 Jahre | 107.465 € endfällig, gedeckt vom Tilgungsträger; 164.122 € tilgend | 329 € Zinsen + 1.187 € Rate = 1.516 € |
| Teilendfälligkeit bis 2032 | wie oben, Rest in sechs Jahren getilgt | 329 € + 2.543 € = 2.872 € |
| Tilgungsträger auflösen, 15 Jahre | 90.000 € sofort getilgt, 181.587 € tilgend | 1.313 € |
| Tilgungsträger auflösen, 20 Jahre | wie oben, längere Laufzeit | 1.069 € |
Die Tabelle zeigt das eigentliche Problem: Bis 2032 ist die Lücke für kaum einen Haushalt in Raten zu schaffen. Realistisch ist der Umstieg meist nur zusammen mit einer längeren Laufzeit, und die braucht die Zustimmung der Bank. Je früher das Gespräch stattfindet, desto mehr Jahre stehen dafür zur Verfügung.
Drei Kostenpunkte gehören vorab auf den Tisch:
- Wechselkurs: Lassen Sie sich den Umrechnungskurs vorab nennen und vergleichen Sie ihn mit dem EZB-Referenzkurs des Tages. Die Differenz ist der Preis der Konvertierung.
- Tilgungsträger: Ein vorzeitiger Rückkauf einer kapitalbildenden Lebensversicherung ist laut Arbeiterkammer Oberösterreich fast immer mit hohen Verlusten verbunden. Die Teilendfälligkeit vermeidet ihn.
- Bankwechsel: Wer gleich zu einer anderen Bank umschuldet, zahlt ein neues Pfandrecht und eine Bearbeitungsgebühr, die Rechnung dazu steht unter Kredit umschulden.
Ob die neue Euro-Rate fix oder variabel laufen soll, entscheidet über die nächste Risikoquelle. Wer gerade ein Wechselkursrisiko abgibt, sollte sich kein Zinsrisiko einhandeln, die Abwägung steht unter Fixzins oder variabel. Wie sich der EURIBOR als Basis variabler Kredite zuletzt entwickelt hat, zeigt die Seite EURIBOR.
Endfälliger Kredit: wann er sich rechnet
Beim endfälligen Kredit zahlen Sie während der Laufzeit nur Zinsen, berechnet immer auf den vollen Betrag. Getilgt wird am Ende auf einmal, meist aus einem Tilgungsträger. Die FMA will solche Kredite nur in begründeten Fällen sehen, bei denen die Tilgung aus einem vorab definierten, grundsätzlich gesicherten Vermögenswert kommt. Als Beispiele nennt sie unter anderem die Finanzierung von Anlegerwohnungen, Lombardkredite und die Vorfinanzierung von Verlassenschaften. Bei mehr als fünf Jahren Laufzeit muss die Bank ein schriftliches Tilgungskonzept erstellen und es jährlich überprüfen.
Ob sich die Konstruktion rechnet, hängt an einer einzigen Zahl: der Rendite des Tilgungsträgers nach allen Kosten. Beispiel: 200.000 Euro über 20 Jahre zu 3,67 Prozent. Als Annuitätenkredit kostet das 1.177 Euro im Monat. Endfällig sind es 612 Euro Zinsen plus die Sparrate, die den Tilgungsträger bis zum Ende auf 200.000 Euro bringen soll.
| Rendite des Tilgungsträgers nach Kosten | Nötige Sparrate | Monatlich gesamt | Gegenüber Annuität |
|---|---|---|---|
| 2,00 % | 678 € | 1.290 € | 113 € teurer |
| 3,00 % | 609 € | 1.221 € | 44 € teurer |
| 3,67 % | 566 € | 1.177 € | gleich |
| 5,00 % | 487 € | 1.098 € | 79 € billiger |
Der endfällige Kredit ist also eine Wette darauf, dass der Tilgungsträger nach Kosten mehr abwirft, als der Kredit kostet. Geht sie nicht auf, zahlen Sie mehr und tragen am Ende eine Lücke. Für das Eigenheim spricht deshalb fast immer der Annuitätenkredit. Anders kann es bei der vermieteten Anlegerwohnung aussehen, die auch die FMA als Beispiel für eine begründete endfällige Finanzierung nennt.
Was Gerichte entschieden haben
Am bekanntesten ist der Streit um Stop-Loss-Limits. Der Oberste Gerichtshof entschied am 24. Jänner 2013 (2 Ob 22/12t): Ein nachträglich und nicht im Einzelnen ausgehandeltes Stop-Loss-Limit von 15 Prozent, bei dessen Überschreiten die Bank automatisch in Euro konvertiert, ist nicht verbindlich, wenn es nicht auf eine konkrete Gefährdung der Rückzahlung abstellt. Die Kreditnehmer hatten den Zinsschaden aus der Zwangskonvertierung eingeklagt, der OGH bestätigte das Urteil zu ihren Gunsten.
Ob ein Kreditnehmer ausreichend über das Wechselkursrisiko aufgeklärt wurde, beurteilen die Gerichte im Einzelfall. Der OGH hat 2021 in einem Verbandsverfahren des VKI (2 Ob 184/20b) unter Berufung auf den Europäischen Gerichtshof (C-186/16 Andriciuc, C-51/17 OTP Bank) festgehalten: Entscheidend ist die individuelle Aufklärung im konkreten Fall, also ob der Verbraucher die möglicherweise erheblichen wirtschaftlichen Folgen einer Fremdwährungsschuld einschätzen konnte. Die Risikohinweise müssen dafür nicht im Klauseltext selbst stehen. Für Betroffene heißt das: Beratungsprotokoll, Risikoinformationsblatt und Schriftverkehr aus der Abschlusszeit aufheben, bevor über Ansprüche gesprochen wird.
Häufige Fragen
Quellen und Aktualisierung
Zuletzt redaktionell aktualisiert am 30. Oktober 2026. Bestandsdaten: OeNB, Stand der Tabelle 30. September 2026, Werte für Juni 2026. Wechselkurse: EZB-Referenzkurse, abgerufen am 23. Oktober 2026. Zinssätze: OeNB und EZB für August und September 2026, SNB für Mitte Oktober 2026. Bei zeitabhängigen Angaben gilt im Zweifel der aktuelle Stand der verlinkten Primärquelle.