Stand 23. September 2026

Zinsprognose: was der Markt tatsächlich einpreist

Niemand kennt die Zinsen von morgen. Aber die Markterwartung lässt sich ablesen, und sie zeigt derzeit nach oben: Je länger die Bindung, desto teurer das Geld.

Aktuelle Leitzinsen

Hauptrefinanzierung2,65 %
Einlagefazilität2,50 %
Spitzenrefinanzierung2,90 %
Wohnbaukredite Ø3,54 %

EZB-Sätze seit 16. September 2026, Kreditzins laut OeNB für Juli.

Szenario rechnen

Was der Markt einpreist

Eine Prognose müssen Sie nicht glauben, eine Markterwartung können Sie ablesen. Sie steckt in der Staffelung des EURIBOR nach Laufzeit: Wer sich heute für zwölf Monate Geld leiht, zahlt mehr als für einen Monat. Genau diese Differenz ist der Preis, den der Markt für erwartete Zinsänderungen verlangt.

LaufzeitAugust 2026August 2025
1 Monat2,22 %1,89 %
3 Monate2,51 %2,02 %
6 Monate2,71 %2,08 %
12 Monate2,95 %2,11 %

Die Kurve steigt über alle Laufzeiten, und zwar deutlicher als vor einem Jahr. Der Markt rechnet also mit weiter steigenden Sätzen. Das ist keine Garantie, denn diese Erwartung kann sich mit neuen Konjunktur- oder Inflationsdaten binnen Tagen drehen. Aber es ist die einzige Zahl, die tatsächlich auf Geld beruht, das heute bewegt wird. Der Verlauf steht unter EURIBOREZB-Leitzins.

Vom Leitzins zum Kreditzins

Zwischen dem Leitzins der EZB und dem Zinssatz auf Ihrem Kreditvertrag liegt kein fester Abstand. Dazwischen stehen die Refinanzierungskosten der Bank, ihre Marge, das Risiko des einzelnen Falls und der Wettbewerb vor Ort. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte landet deshalb nicht automatisch und nicht vollständig bei Ihnen. Die aktuellen Sätze und die Übertragung im Detail stehen unter EZB-Leitzins.

Warum Prognosen scheitern

Ein Blick zurück reicht als Warnung. Im Dezember 2021 stand der Dreimonats-EURIBOR bei minus 0,58 Prozent. Kaum zwei Jahre später, im November 2023, bei 3,97 Prozent. Diese Bewegung hatte im Vorfeld praktisch niemand in dieser Geschwindigkeit erwartet, auch die Notenbanken selbst nicht.

Wer damals variabel finanziert hatte, trug den vollen Anstieg. Aussagen wie in einem halben Jahr seien die Zinsen sicher um einen halben Punkt niedriger gehören deshalb nicht in eine Finanzierungsentscheidung, die über Jahrzehnte läuft.

Drei Szenarien statt einer Vorhersage

SzenarioAuslöserWas zu planen ist
Zinsen sinkenInflation entspannt sich, Geldpolitik lockertVariable Rate sinkt, Fixzins bleibt bis Bindungsende
Zinsen seitwärtsInflation und Wachstum bleiben gemischtDie heutige Rate muss dauerhaft tragbar sein
Zinsen steigenInflation oder Risikoaufschläge ziehen anStresstest und Reserve entscheiden

Eine gute Finanzierung funktioniert in allen drei Fällen, nicht nur im wahrscheinlichsten. Das ist der praktische Ersatz für eine Prognose.

Was das für Ihre Entscheidung heißt

Rechnen Sie jede Variante mit zwei Prozentpunkten Aufschlag, so wie es der Stresstest im Wohnkredit-Rechner zeigt. Bleibt die Rate dann tragbar, ist die Zinsfrage weitgehend entschärft. Bleibt sie es nicht, ist entweder der Kaufpreis zu hoch oder eine lange Fixzinsbindung nötig.

Bemerkenswert ist dabei die aktuelle Marktlage: Im Juli lagen Wohnbaukredite mit Bindung über zehn Jahre bei 3,59 Prozent, jene mit Bindung bis zu einem Jahr bei 3,62 Prozent. Die lange Zinssicherheit kostete also nicht mehr, sondern weniger. Die Abwägung steht unter Fixzins oder variabel.

Häufige Fragen

Der Markt preist derzeit steigende Sätze ein. Ablesbar ist das daran, dass der Zwölfmonats-EURIBOR mit 2,95 Prozent über dem Dreimonats-Wert von 2,51 Prozent liegt. Eine Garantie ist das nicht, die Erwartung kann sich mit neuen Daten drehen.
Seit 16. September 2026 liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent, die Einlagefazilität bei 2,50 Prozent und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,90 Prozent.
Zwischen Leitzins und Kreditzins liegen die Refinanzierungskosten der Bank, ihre Marge, Ihr individuelles Risiko und der Wettbewerb. Ein fester Abstand besteht nicht. Bei variabler Verzinsung wirkt zudem nur der vertraglich vereinbarte Referenzzins, meist der EURIBOR.
Das ist eine Wette auf eine Entwicklung, die niemand kennt. Zwischen Dezember 2021 und November 2023 stieg der Dreimonats-EURIBOR von minus 0,58 auf 3,97 Prozent. Sinnvoller ist eine Finanzierung, die auch bei zwei Prozentpunkten mehr trägt.

Quellen und Aktualisierung

Leitzinsen abgerufen am 23. September 2026, EURIBOR-Monatsdurchschnitte für August 2026, Kreditzinssätze der OeNB für Juli 2026.

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