Was der Markt einpreist
Eine Prognose müssen Sie nicht glauben, eine Markterwartung können Sie ablesen. Sie steckt in der Staffelung des EURIBOR nach Laufzeit: Wer sich heute für zwölf Monate Geld leiht, zahlt mehr als für einen Monat. Genau diese Differenz ist der Preis, den der Markt für erwartete Zinsänderungen verlangt.
| Laufzeit | August 2026 | August 2025 |
|---|---|---|
| 1 Monat | 2,22 % | 1,89 % |
| 3 Monate | 2,51 % | 2,02 % |
| 6 Monate | 2,71 % | 2,08 % |
| 12 Monate | 2,95 % | 2,11 % |
Die Kurve steigt über alle Laufzeiten, und zwar deutlicher als vor einem Jahr. Der Markt rechnet also mit weiter steigenden Sätzen. Das ist keine Garantie, denn diese Erwartung kann sich mit neuen Konjunktur- oder Inflationsdaten binnen Tagen drehen. Aber es ist die einzige Zahl, die tatsächlich auf Geld beruht, das heute bewegt wird. Der Verlauf steht unter EURIBOREZB-Leitzins.
Vom Leitzins zum Kreditzins
Zwischen dem Leitzins der EZB und dem Zinssatz auf Ihrem Kreditvertrag liegt kein fester Abstand. Dazwischen stehen die Refinanzierungskosten der Bank, ihre Marge, das Risiko des einzelnen Falls und der Wettbewerb vor Ort. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte landet deshalb nicht automatisch und nicht vollständig bei Ihnen. Die aktuellen Sätze und die Übertragung im Detail stehen unter EZB-Leitzins.
Warum Prognosen scheitern
Ein Blick zurück reicht als Warnung. Im Dezember 2021 stand der Dreimonats-EURIBOR bei minus 0,58 Prozent. Kaum zwei Jahre später, im November 2023, bei 3,97 Prozent. Diese Bewegung hatte im Vorfeld praktisch niemand in dieser Geschwindigkeit erwartet, auch die Notenbanken selbst nicht.
Wer damals variabel finanziert hatte, trug den vollen Anstieg. Aussagen wie in einem halben Jahr seien die Zinsen sicher um einen halben Punkt niedriger gehören deshalb nicht in eine Finanzierungsentscheidung, die über Jahrzehnte läuft.
Drei Szenarien statt einer Vorhersage
| Szenario | Auslöser | Was zu planen ist |
|---|---|---|
| Zinsen sinken | Inflation entspannt sich, Geldpolitik lockert | Variable Rate sinkt, Fixzins bleibt bis Bindungsende |
| Zinsen seitwärts | Inflation und Wachstum bleiben gemischt | Die heutige Rate muss dauerhaft tragbar sein |
| Zinsen steigen | Inflation oder Risikoaufschläge ziehen an | Stresstest und Reserve entscheiden |
Eine gute Finanzierung funktioniert in allen drei Fällen, nicht nur im wahrscheinlichsten. Das ist der praktische Ersatz für eine Prognose.
Was das für Ihre Entscheidung heißt
Rechnen Sie jede Variante mit zwei Prozentpunkten Aufschlag, so wie es der Stresstest im Wohnkredit-Rechner zeigt. Bleibt die Rate dann tragbar, ist die Zinsfrage weitgehend entschärft. Bleibt sie es nicht, ist entweder der Kaufpreis zu hoch oder eine lange Fixzinsbindung nötig.
Bemerkenswert ist dabei die aktuelle Marktlage: Im Juli lagen Wohnbaukredite mit Bindung über zehn Jahre bei 3,59 Prozent, jene mit Bindung bis zu einem Jahr bei 3,62 Prozent. Die lange Zinssicherheit kostete also nicht mehr, sondern weniger. Die Abwägung steht unter Fixzins oder variabel.
Häufige Fragen
Quellen und Aktualisierung
Leitzinsen abgerufen am 23. September 2026, EURIBOR-Monatsdurchschnitte für August 2026, Kreditzinssätze der OeNB für Juli 2026.